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Die Bedeutung von Mooren für den Klimawandel

Moore sind gigantische Kohlenstoffspeicher und bedecken weltweit zwar nur etwa drei Prozent der Landfläche, binden jedoch doppelt so viel Kohlenstoff wie die gesamte Biomasse aller Wälder der Erde zusammen. In Deutschland wurden allerdings über 90 Prozent dieser wertvollen Feuchtgebiete im Laufe der Jahrhunderte durch Entwässerungsgräben trockengelegt. Der Grund war meist die Gewinnung von Flächen für die Land- und Forstwirtschaft. Die fatalen Folgen: Der im Torf gebundene Kohlenstoff verbindet sich mit Sauerstoff zu CO₂. Entwässerte Moore verursachen hierzulande rund 7,5 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen.

Wasser marsch: Die Wiedervernässung

Um diese Klimaschäden zu stoppen, ist die Renaturierung von Mooren zu einer der wichtigsten Aufgaben im modernen Naturschutz geworden. Das zentrale Werkzeug dabei ist die Wiedervernässung. Hierfür werden alte Entwässerungsgräben mühsam mit Dämmen verschlossen oder verrohrte Drainagesysteme komplett zurückgebaut. Ziel ist es, das Regenwasser dauerhaft in der Landschaft zu halten, damit der Torfkörper sich wie ein Schwamm vollsaugen kann. Nur unter Luftabschluss im nassen Milieu bleibt der Kohlenstoff im Boden gebunden.

Neben dem Klimaschutz bieten intakte Moore unschätzbare Vorteile für das Ökosystem:

  • Artenvielfalt: Sie sind Refugien für hochspezialisierte, oft vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie Sonnentau, Torfmoose, Kreuzottern oder das seltene Braunkehlchen.
  • Hochwasserschutz: Sie wirken bei Starkregen als natürliche Puffer, indem sie riesige Wassermengen speichern und verzögert abgeben.
  • Landschaftskühlung: Durch die kontinuierliche Verdunstung kühlen sie das lokale Mikroklima spürbar ab.

Ein Vorzeigeprojekt im Süden: Die “Mertinger Höll”

Wie eine solche Transformation in der Praxis gelingt, zeigt ein ambitioniertes Projekt im bayerischen Donauraum: die Renaturierung der Mertinger Höll. Dieses rund 160 Hektar große Areal zählt zu den bedeutendsten Niedermooren der Region. Wo früher intensive Entwässerung für den Ackerbau betrieben wurde, arbeiten Naturschützer und Behörden Hand in Hand daran, den ursprünglichen Wasserhaushalt wiederherzustellen.

Bis zum Jahr 2028 investieren der Freistaat Bayern und die Europäische Union rund zwei Millionen Euro in das Gebiet. Um das Zuwachsen durch Schilf und Gehölze zu verhindern, wird eine gezielte und schonende Mahd der Streuwiesen durchgeführt. Diese Pflegemaßnahmen zeigen bereits beeindruckenden Erfolg: Das vom Aussterben bedrohte Braunkehlchen hat hier eines seiner stärksten Brutvorkommen in ganz Bayern aufgebaut.

Moorrenaturierung erfordert Geduld. Bis ein geschädigtes Moor wieder aktiv wächst und neuen Torf bildet, vergehen Jahrzehnte. Doch Projekte wie in der Mertinger Höll beweisen, dass die Rückkehr der Moore ein lohnender Gewinn für Mensch und Natur gleichermaßen ist.